Alles bereit für ein gemütliches, genussvolles Essen – doch bevor das Schlemmen losgeht, zücken alle ihre Handys und nehmen das Objekt der Begierde in den Fokus. Zwei, drei Bilder, ein hübscher Filter, ein paar Hashtags, und ab auf Social Media. Wo man früher die Hände zum Tischgebet faltete, huldigt man heute dem Social Media Gott – Foodporn statt Vaterunser. Das hat auch die Kommunikationsbranche gemerkt.

Der aktuelle Trend

Food-Fotografie ist präsent wie nie. Zahlreiche Foodblogs und Social-Media-Kanäle sind voll mit Bildern von Essen, bei denen es mehr um den Look als den Taste geht. Dank Smartphones und Filtern wird plötzlich jeder zum «Fotografen». Spontan und authentisch, individuell, ungekünstelt, gern ein bisschen chaotisch: Perfectly unperfect eben. Die Bilder beschreiben ein neues – oder vielleicht doch eher uraltes? –  Lebensgefühl, das die Massen begeistert.

Spontanität wird zum Beispiel durch den Eindruck erzeugt, dass gerade von dem Gericht gegessen wird.
Foto: Stefan Schmidlin für FOOBY.

Food und Werbung heute

Der stark visuell geprägte Mega-Trend «Food» ist auch in der professionellen Werbewelt angekommen. Restaurants, Bars und Imbissstände leben den neuen Stil. Er zieht sich vom Webseiten-Design über den heute unabdingbaren Social Media Kanal bis zu Insta-würdigen Gerichten auf den Tellern. Bereits gibt es erste Restaurants, welche besonders fotofreundliche Gerichte anbieten und in ihrem Lokal für entsprechend Lichtverhältnisse sorgen. Aber auch Detailhändler und Lebensmittelgeschäfte können von der begeisterungsfähigen, stark visuell orientierten Food-Community profitieren, indem sie ihre Produkte im richtigen Look in Szene setzen.

Verwendet werden bevorzugt natürliche Materialen und oft dunkle, zurückhaltende Töne.
Foto: Stefan Schmidlin für FOOBY.

Der neue Stil der Food-Fotografie

Der neue Bildstil soll ein leichtes, entspanntes, «echtes» Lebensgefühl vermitteln, das sich nicht mit dem Hochglanz-Lifestyle aufhält. Die Individualität, die Lust am Ausprobieren und Freude am Essen rücken in den Vordergrund. Das wirkt unbefangen und spielerisch – ganz «perfectly unperfect».

Unter- und Hintergründe Ton in Ton zu halten und mit den Farben der Speise zu kontrastieren, rückt das Gericht in den Fokus.
Foto: Stefan Schmidlin für FOOBY.

Neue Tricks mit alten Props

Food-Fotografen rücken heute die Zutaten oder das Gericht in den Fokus. Das Licht ist warm und natürlich, die Props sind rustikal und gebraucht, oft Ton in Ton mit dem Unter- bzw. Hintergrund. Verwendet werden oft natürliche Materialen in ruhigen Farben, zum Beispiel Holz, Stein, Schiefer oder grobe Stoffe.

Natürliche Materialen, hier zum Beispiel eine grobe Stoffserviette, sorgen für den richtigen Mood.
Foto: Claudia Link.

Diese Grundzutaten der aktuellen Food-Fotografie setzen Laien und Profis gleichermassen ein. Doch das Bild verrät, wer hinter der Kamera stand – oder eben doch nur dem iPhone.

 

5 Tipps für ein erfolgreiches Foodshooting:

  1. Setzen Sie auf einen guten Food-Stylisten

    Er setzt das Essen richtig in Szene und bringt dank seiner Erfahrung eigene Ideen und Inputs. Idealerweise entsteht das Bild in einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Fotografen. So kann etwas Neues entstehen.

  2. Props und Props und Props

    Weil nicht jedes Bild wie das andere aussehen soll, braucht es einen grossen Fundus an Besteck, Geschirr, Küchenequipment und weiteren Objekten. So können Sie jeden aktuellen Trend mitmachen. Und denken Sie nie, Sie hätten schon alles. Meist fehlt Ihnen genau das eine Ding, welches das Bild perfekt machen würde.

  3. Professionelles Equipment

    Natürlich lassen sich mit modernen Smartphones ganz ordentliche Bilder machen. Aber für ein wirklich gutes Bild braucht es die entsprechenden Linsen, das richtige Licht, eine genügend hohe Auflösung etc.

  4. Bleiben Sie neugierig

    Bei der riesigen Menge an Foodbildern, die heute die Medien überfluten, ist es wichtig, einen eigenen Stil anzubieten, der etwas aus der Masse heraussticht. Bleiben Sie nicht stehen, probieren Sie neues aus und spielen Sie mit der Lichtführung, der Perspektive und dem Fokus um etwas Neues zu entwickeln.

  5. Mut zur Reduktion

    Allzu üppig liegts schwer im Magen. Das gilt auch für Foodbilder. Fokussieren Sie sich auf das , was Ihnen am Gericht wichtig ist. Zusätzliche Lebensmittel, Geschirr oder Deko lenken ab.

Laie vs. Profi

Professionelle Food-Fotografen und Food-Stylisten haben den Bildstil der Blogger perfektioniert. Denn richtig Wirkung entfaltet der Stil vor allem, wenn Wissen und Können dahinter steckt. Nur so können die Bilder aus der Masse herausstechen. Neben dem besseren Fotoequipment verfügt der Profi auch über fundierte Kenntnisse und mehr Erfahrung. Er setzt Perspektive und Lichtführung überlegt ein und hat auch Erfahrung in der Zusammenarbeit mit einem Food-Stylisten. Um die optimale, anregende Wirkung zu entfalten lohnt es sich deshalb, für Food-Kommunikation auf Profis zu setzen – auch wenn es heute fälschlicherweise manchmal den Anschein macht, dass das ja jeder kann. Die Unterschiede beim Endprodukt sind deutlich.

Was heisst das für die Kommunikationsbranche?

Gianna Burghartz
Art Director

Essen und kochen sind ein Megatrend in der Kommunikation. Befeuert durch Instagram, Pinterest und andere bildlastige Kanäle wird die Darstellung immer wichtiger. Food-Kommunikation muss also auf ihre Instagram-ability geprüft werden. Der Bildstil orientiert sich stark daran, was viele Leute toll finden, was sich dank Likes, Shares und Kommentaren beobachten lässt.

Nicht zuletzt beeinflusst der Bildstil der Profifotografen aber auch die Foodblogger und Instagramer: Im besten Fall gelingt es, eine eigene Handschrift zu kreieren, die Vormacher statt Nachmacher ist. So, wie das der Agentur Valencia Kommunikation für Coop aktuell mit dem sehr beliebten und vielkopierten «Fooby-Stil» gelungen ist.

Interview mit Claudia Link, Fotografin

Claudia Link

Claudia Link ist als freischaffende Fotografin in Basel und Zürich tätig. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit richtet sich auf Still Life, Beauty/Lifestyle, Food/Reportage und Advertising. Der künstlerische Einfluss prägt ihre Arbeit und spiegelt sich besonders im experimentellen Erarbeiten von neuen Bildideen.

Wie würdest du den jetzigen Food-Fotostil beschreiben?


Claudia Link: Weg vom Cleanen, hin zum Natürlichen, zum Beispiel mit Tageslicht. Der Stil ist stark inspiriert von Instagram Bildern. Frische Zutaten stehen im Mittelpunkt. Selbst gemacht sollen die Gerichte sein und dürfen auch danach aussehen. Als Inspiration dienen dafür oft Step-by-Step-Bilder vom Mis-en-Place bis zum fertigen Gericht. Damit gibt man den Bildern einen anderen Blickwinkel, eine andere Perspektive.


Die Props und Untergründe sollen gebraucht und nicht perfekt sein, sie sollen eine gewisse Patina haben. Die Materialien sind oft natürlich oder sind in natürlichen, erdigen Farben gehalten. Die Bilder haben viel Unschärfen, dadurch entsteht eine Art Sog, der einen ins Bild hineinzieht. Der Bildbearbeitung im klassischen Sinne wird weniger Bedeutung geschenkt, viel mehr wird „gemooded“, also die vorhanden Stimmung durch Bearbeitung verstärkt. Eine gemachte, inszenierte Natürlichkeit entsteht.

Im Internet finden sich heute viele tolle Foodfotos, die oft von Laien gemacht werden. Worin unterscheiden sich der Laie, der Foodblogger und der Profi (Fotografen) überhaupt noch?

 Der Laie fotografiert meistens mit dem Smartphone und bearbeitet die Bilder mit Filtern. Er weiss ein bisschen etwas über die Lichtführung oder hat ein Gespür dafür. Oft sehen aber die Bilder mehr oder weniger gleich aus. Dies, weil oft die ähnlichen Gerichte von oben fotografiert werden, die von sich aus bereits „fotogen“ sind. Hat man mal eine Einstellung gefunden, die funktioniert, dann wird diese für alle weiteren Bilder verwendet.


Ein Profi hat grundsätzlich andere Gerätschaften, also ein professionelles Kameraequipment. Er kennt sich sehr gut aus in der Lichtführung und hat einen Blick für den Ausschnitt, der gewählt wird. Zudem arbeitet er eng mit einem Food-Stylisten zusammen, der sich einbringen kann und der das Bild auch mit gestaltet. Idealerweise kommt der Food-Stylist aus dem Gastrobereich oder war Koch und weiss somit genau, wie er zum gewünschten Resultat kommt. Oftmals wird der Fotograf wie auch der Food-Stylist bereits bei der Ideenfindung bzw. der Konzepterarbeitung beigezogen und so kann von ihrem breiten Knowhow profitiert werden. Gutes Teamwork ist also von grosser Bedeutung und bringt einem auf Neues. Der Foodblogger hat den „Vorteil“, dass er immer up-to-date ist, weil er sich täglich mit den aktuellen Trends auseinandersetzt. Viele kommen aber auf der gestalterischen Ebene irgendwann an ihre Grenzen.

Der Bildbearbeitung im klassischen Sinne wird weniger Bedeutung geschenkt, viel mehr wird „gemooded“, also die vorhandene Stimmung durch Bearbeitung verstärkt.

Claudia Link, Fotografin

Wie würdest du den aktuellen Foodtrend beschreiben?


Er ist sehr natürlich, aus dem Leben gegriffen und weg vom Perfekten. „Back to the roots“ scheint mir auch immer noch sehr im Trend. Das heisst, die Leute wollen wissen, woher, von welchem Produzenten, ihr Essen kommt. Man interessiert sich für die Geschichte hinter einem Nahrungsmittel. Auch vergessene Gemüse- oder Getreidesorten erleben ihre Wiederentdeckung. Viele junge Menschen kaufen bewusster ein und zelebrieren das Kochen wieder mehr. Gemeinsam essen mit Freunden – zu Hause und auswärts – spielt für viele eine wichtige Rolle. Das Essen gewinnt wieder an Bedeutung, es ist mehr als nur Nahrungszufuhr und viel präsenter in unserem Alltag. Wir nehmen uns gerne wieder Zeit zum Kochen und das Essen schön zu präsentieren. Es ist gewissermassen ein ruhiger Pol in unserem hektischen Alltag.


Im Frühling 2018 erschien das erste FOOBY Kochbuch im Rahmen einer grossangelegten Dankeskampagne, die Valencia Kommunikation für Coop umsetzen durfte. Das Grossprojekt zeigt einmal mehr, was mit durchdachter Planung und enger Zusammenarbeit mit dem Kunden erreicht werden kann. Die zahlreichen Fotos entstanden in mehreren aufwändigen Shootings mit Food-Stylisten und -Fotografen und die Inhalte recherchierten und schrieben grösstenteils unsere hauseigenen Texter. Entstanden ist ein umfangreiches Grundlagenkochbuch (300 Seiten), das inhaltlich richtig viel zu bieten hat und sich auch im Regal gut macht. Planen Sie in nächster Zeit eine attraktive Publikation, egal in welcher Grössenordnung? Kontaktieren Sie uns, wir zeigen Ihnen die Möglichkeiten.

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