Mit der Wahl des richtigen CMS ist es ein bisschen wie mit einer Beziehung: Soll sie langfristig funktionieren, müssen Bedürfnisse und Weblösung optimal zueinander passen. Wir stellen Ihnen die attraktivsten Kandidaten vor und sagen Ihnen, auf was Sie bei der CMS-Partnerwahl achten sollten.

Um herauszufinden, welches System das richtige ist, sollten Sie sich zuerst überlegen, für was Sie Ihre Website überhaupt benötigen:

a. Die Webapplikation ist Ihr Kernbusiness

Ist die Webapplikation Ihr Kernbusiness ? Haben Sie eigene Entwickler und hat nur ein kleiner Teil der Webseite effektiv “informativen” Charakter? Ein gutes Beispiel ist eine Private-Lending Plattform, bei welcher die Webseite dazu dient, anderen Leuten direkt online Geld auszuleihen – das wäre der Kernbusiness Prozess.

b. Die Website als Massnahme

Sie benötigen Ihre Website kurzfristig, haben keine individuellen Prozesse und keine Systeme wie zum Beispiel einen Produktkatalog, die Sie verbinden möchten. Diese Webseite würden wir als “Massnahme” bezeichnen, ähnlich einem Prospekt oder einer Visitenkarte, die sie schnell entwerfen und drucken.

c. Die Website als Investition

Wenn Ihr Unternehmen eine Stadt wäre, dann wäre Ihre Webseite sowohl Hafen als auch Airport. Sie haben unterschiedlichste Bedürfnisse, Bereiche, Sprachen, Regionen und Abteilungen, die Sie berücksichtigen und integrieren möchten. Der Start des neuen Webprojekts ist der Grundstein einer Investition, die Sie erhalten und ausbauen, damit Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation erfolgreich ist.

Wenn Sie diese erste Frage für sich beantworten und bestimmen konnten, ist es Zeit, sich Gedanken um die passenden Lizenzen zu machen.

Open Source Lösungen

Wollen Sie die Lösung unabhängig weiter ausbauen können, ohne dass Ihnen plötzlich ein Hersteller den Stecker zieht oder exorbitante Beträge zur Weiterbetreuung verlangt? Weil sehr viele Content Management Systeme aufgekauft und eingestampft wurden, ist dies nach wie vor ein realistisches Szenario. Deshalb setzt der allergrösste Teil des Internets auf unabhängige Open Source Lösungen.. Open Source ist heute der Standard; sogar Microsoft hat dies einsehen müssen und ist jetzt einer der wichtigsten Open-Source-Unterstützer. Es folgen die Top 5 aus unserer Sicht.

WordPress

WordPress ist ein bisschen wie Bambus. Wir denken bei Bambus-Konstruktionen an Hütten, Zäune und vielleicht mal eine kleine Brücke. Geht man aber nach Asien, sieht man, wie riesige Wolkenkratzer in unglaublicher Geschwindigkeit mit Bambus-Gerüsten hochgezogen werden. So wurde WordPress eigentlich als absolut minimalistische Blog-Software entwickelt, hat aber sehr viele Anhänger gefunden, die daraus alles bauen, was man sich vorstellen kann. Die beste Aussage zu diesem System: «Wordpress ist nicht gleich WordPress». Sobald Sie über die Kernfunktionalität eines Weblogs hinausgehen, müssen zahlreiche Plugins in unzähligen Varianten gewählt und installiert werden. Diese machen das System instabil und können bei einem Anbieterwechsel Probleme bereiten. Nichtsdestotrotz hat es gerade im Medien-Bereich seine Berechtigungen und kann für Artikel-betriebene Webseiten sehr interessant sein. Dieser Blog, den Sie gerade lesen, ist zum Beispiel WordPress-basiert. Zur Website von WordPress

Drupal

Sprechen wir von Drupal, müssen wir von zwei unterschiedlichen Welten sprechen. Einerseits vom alten Drupal 7 und all seinen Vorgängern, andererseits vom Nachfolger Drupal 8, welches komplett neu aufgebaut wurde. Eine böse Überraschung für alle Drupal 7 Kunden, die viel Geld in ihr System investiert haben und jetzt hören müssen, dass ein Update im klassischen Sinne nicht existiert. Ganz nach dem Motto: “Fire and forget” – wegschmeissen, neu machen. (Nebenbemerkung: Sehr gute Drupal-Anbieter, die sehr gute Systeme gebaut haben, können sicher auch Migrations-Pfade anbieten.) Ansonsten hat Drupal eine der grössten Communities weltweit und gerade die Version 8 ist für Entwickler wirklich toll. Leider hat die stark verzögerte Neuentwicklung dem Vertrauen in Zentraleuropa sehr geschadet, da man hier grossen Wert auf Sicherheit und Beständigkeit legt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Menge der Neusysteme auf Drupal in letzter Zeit zurückgegangen ist. Zur Website von Drupal

TYPO3

Zugegeben, wir sind hier ein wenig voreingenommen, da wir dieses System unseren Kunden aktiv empfehlen. Aber wir versuchen, so objektiv wie möglich zu sein. Wenn Drupal das grosse, verrückte Wirbelwind-System aus den USA ist, dann ist TYPO3 die beständige, sehr strukturierte Lösung aus Zentraleuropa. TYPO3 besticht durch seine Fähigkeit, viele Auftritte, Sprachen, Redakteure, Rollen-Konzepte, Applikationen und Schnittstellen in einem einzigen System zu vereinbaren. Mittlerweile mehr als 20 Jahre alt, mit über 20’000 Entwicklern und hunderttausenden Installationen, musste sich TYPO3 neu erfinden. Dies ist der TYPO3 Gemeinde in den letzten zwei Jahren gut gelungen und so ist sie weltweit eine der Vorzeige-Open Source Organisationen. Denn im Gegensatz zu Drupal bietet TYPO3 einen genialen Update Pfad mit Langzeit-Support-Vertrag, der jedem Grossbanken-Check stand hält. Zur Website von Typo3

Der ganze Rest

Wix und Jimdo sind Baukasten-Systeme für Kleinst-Webseiten. Joomla ist vergleichbar mit WordPress, wird aber ebenfalls fast nur von Kleinstsystemen genutzt und erhält praktisch keine neuen Systeme mehr. Alle weiteren CMS sind vom Prozentsatz und der Menge an Webauftritten mit einer gewissen Komplexität in der Schweiz nicht verbreitet (unter 1% pro System) und werden hier nicht vertieft besprochen.

Proprietäre Lösungen

Effektiv gibt es kein kommerzielles lizenzpflichtiges CMS, das es über 2% Marktanteil schafft. Trotzdem denken CIOs oder Marketing-Manager in Schweizer Grossfirmen immer wieder über den Einsatz eines solchen Systems nach. Hier die besten aus unserer Sicht:

Adobe Experience Manager

Das absolute Non-Plus-Ultra CMS auf dem globalen Markt. Haben Sie 1 Million Franken und mehr als Budget (absolut nicht übertrieben!), dann ist dies wirklich eine sehr tolle Lösung. Erschrecken Sie dann aber nicht, wenn es in 100’000er-Schritten weitergeht. Deswegen gibt es in der Schweiz auch nur rund 56 Unternehmen (Stand 2017), die es einsetzen. Als Management einer Unternehmung, die im Milliarden-Bereich Umsätze erzielt, wäre dieses System aber bestimmt in Erwägung zu ziehen. Die Entwickler sitzen übrigens in Basel und sind wirklich absolute Genies, die den CMS Markt über die letzten 25 Jahre stark geprägt haben. Zur Website des Adobe Experience Manager

Sitecore

Kommen wir zur Microsoft Welt und damit zu Sitecore. Sie haben wahrscheinlich in den letzten Jahren gemerkt, dass das Internet nicht viel mit Microsoft zu tun hat. Und da heute bedeutend mehr Smartphones mit Android oder iOS zum Surfen genutzt werden, ist Windows auch auf der Client-Seite nicht vorne dabei. (Android basiert übrigens auf Linux und ist das meist installierte Betriebssystem der Welt, iOS basiert auf einer Linux-Abwandlung, auch weit weg von Windows). Sitecore kommt zwar nicht von Microsoft selber, harmoniert aber bestens mit dieser Umgebung und bietet einen gewaltigen Funktionsumfang. Das Preismodell fängt tiefer an als Adobe Experience Manager, kann aber auch rasant in die Höhe schiessen. Zur Website von Sitecore

Magnolia

Falls Sie aus irgendeinem Grund zu viele Java Entwickler haben, die zu viel Zeit haben – dann schauen Sie sich unbedingt Magnolia an. Es ist nicht so umfassend wie Adobe Experience Manager und die Entwicklung von Erweiterungen ist kostenintensiver als bei Drupal, WordPress und TYPO3, aber es ist auch eine tolle Firma dahinter, die das System als «Teil-Open-Source» anbietet. Das grösste Problem hier ist, Entwickler zu finden, die es lernen wollen und überhaupt Java Entwickler zu haben, die Zeit für eine Webseite haben und nicht sowieso schon zwölf Stunden am Tag an einer Banken- oder Flugsteuerungs-Lösung entwickeln. Zur Website von Magnolia

SharePoint

SharePoint mag ja auf den ersten Blick wie die geniale Kollaborations-Lösung wirken, die wir alle in unseren Firmen gerne hätten: Eine Lösung, die endlich das zentrale Datei-Laufwerk abgeschafft und uns Word-Dokumente im Workflow bearbeiten lässt. Aber auch wenn es möglich ist und auch wenn es tatsächlich vereinzelt gemacht wird: Bauen Sie keine öffentliche Webseite mit SharePoint, die auch einen Marketing-Aspekt verfolgen soll. Und ein Tipp in eigener Sache: TYPO3 bietet eine absolut geniale SharePoint Integration. Nutzen Sie SharePoint intern und binden Sie es an Ihr CMS an. Wenn das CMS dies nicht kann, dann ist es das falsche – oder die Agentur hat zu wenig technische Erfahrung. Zur Website von Sharepoint

So klappt’s auch mit dem CMS

Ein Wort vorweg: Saftey First! Egal, für welches Content Management System Sie sich entscheiden, Sicherheit und Support sind immer enorm wichtig, denn ihre Webseite muss Tag und Nacht und auch am Wochenende erreichbar sein. Auch wollen Sie nicht, dass Ihre Webseite plötzlich die Computer Ihrer Kunden infiziert, weil keine Updates gemacht wurden und Ihre Seite deshalb verwundbar wurde. Nur Updates und fortlaufende Wartung sowie Unterstützung vom Hersteller wie bei z.B. bei TYPO3 können diese Sicherheit bieten.

Augen auf bei der Partnerwahl

Im Idealfall finden Sie eine Kommunikations-Agentur, die zum einen Ihre Bedürfnisse versteht, Ihre Geschichte, Gedanken, Ziele, Kunden und Werte spiegeln kann und zum anderen einen guten technischen Partner hat, der die Lösung von A bis Z übernehmen und auch langfristig betreuen kann. Denn wenn beispielsweise nach einem Jahr eine neue Firmensoftware kommt, die an die Webseite angebunden werden soll, muss die Agentur unmittelbar auf einen starken Partner zurückgreifen können, ohne zuerst geeignete Freelancer suchen zu müssen. Ideal ist ein technischer Partner, der viel Erfahrung mit dem passenden CMS hat, die passenden Referenzen vorweisen kann, Wartungsverträge und Sicherheits-Update-Strategien bereit hält und (am allerwichtigsten) auch ein effektives Entwicklerteam vor Ort hat.

Das sagt der Profi in 5 Punkten

  1. Für den Blog

    Wenn ich eine ganz einfache Empfehlung geben müsste: Bauen Sie eine Magazin/News-Webseite, die Artikel-getrieben ist, dann würde ich auf WordPress setzen.

  2. Für die Community-basierte Plattform

    Streben Sie eine Lösung an, die mehr in Richtung Community-Plattform geht, sprich eine Webseite, wo viele Inhalte auch von Ihren Benutzern erstellt werden sollen? Dann ist das neue Drupal ein geniales System.

  3. Für komplexe Anliegen

    Haben Sie Strukturen, Abteilungen, viele Sprachen und viele Redakteure, die möglichst flexibel, aber trotzdem nach CI/CD Seiten mit Plugins und Inhalt gemischt aufbauen wollen, dann würde ich eher zu TYPO3 raten.

  4. Für die optimale Einbindung

    Falls ihre IT-Abteilung die Lösung intern auf Microsoft Umgebungen mit Anbindung an das Windows-Netzwerk möchte, dann würde ich TYPO3 oder ein proprietäres System prüfen.

  5. Für’s grosse Budget

    Haben Sie 1 Million Franken und mehr als Budget, dann ist der Adobe Experience Manager das System der Wahl.

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