Pets, Zoomania, Finding Dory, Ice Age: Collision Course, Sing – Ein Blick auf die Schweizer Kino-Top-Ten des letzten Jahres zeigt: Animationsfilme sind populär, wie nie. Das ist auch der Werbeindustrie nicht entgangen. Mit weniger Risiko und oft mit kleinerem Aufwand gegenüber einem Realfilm lassen sich heute animierte Spots produzieren. Was aber bedeutet die digitale Animation fürs Storytelling? Und werden echte Schauspieler vielleicht bald arbeitslos?

Was war Ihr letzter Kinofilm? Gut möglich, dass es ein «Trickfilm» war, denn der digital animierte Kinofilm reitet seit einigen Jahren eine Erfolgswelle: Die fünf finanziell erfolgreichsten Animationsfilme, die weltweit jeweils über eine Milliarde Dollar eingespielt haben, kamen alle nach 2010 in die Kinos (Frozen 2013, Minions 2015, Toy Story 3 2010, Finding Dory 2016, Zootopia 2016). Immer mehr und immer öfter scheint das Motto zu sein: Während wir uns in den in den 90er-Jahren jeweils zu Weihnachten auf die neuste Disney Produktion freuten, startet heute fast jeden Monat ein neuer Animationsfilm in den Kinos. Seit Disneys erstem abendfüllenden Zeichentrickfilm «Schneewittchen und die sieben Zwerge» ist viel passiert. Heute sieht sich der grosse Familienunterhalter nicht nur mit der hauseigenen Konkurrenz von Pixar (Toy Story, Finding Nemo, Cars) konfrontiert, sondern misst sich auch mit den Digitalstudios von Dreamworks (Shrek, Madagscar) und Illumination Entertainment (Despicable Me, Minions, Sing), die alle ebenfalls ein Stück vom bunten Animationskuchen möchten.

Der Animationsfilm wird erwachsen

Animationsfilme werden je länger, je mehr nicht nur für die Kleinen produziert, sondern unterhalten die Eltern im Publikum heute genauso. Das beweisen komplexe Streifen wie «Inside Out», «Toy Story 3» oder «Zootopia», die unter der bunten Oberfläche des kindergerechten Plots eine zweite, tiefere Dimension haben und Themen ansprechen, welche auch Erwachsene spannend finden. Die digitale Animation ist, so scheint es, in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Aber nicht nur in Hollywood, auch in der Werbung tut sich etwas: Immer häufiger setzen Kunden auf die Kraft der Animation. Dabei ist nicht nur klassische «character animation» gemeint. Für TV-Spots, aber auch für Online-Banner, Erklärvideos oder als Bewegtbild für den Social-Media-Einsatz werden gerne animierte Infografiken, 2D- und natürlich 3D-Animation eingesetzt.

Klassische digitale Animation: der Coop Sparfuchs
Klassische digitale Animation: der Coop Sparfuchs

Von der Skizze bis zum dreidimensionalen Modell: Die Entstehung des Coop Sparfuchses.

In 15 Sekunden von den Pyramiden von Gizeh durch die sieben Weltmeere und bis ins Weltall. Der animierte Spot von Coop zur Sammelpromo Welt des Wissens.

Tricks für jedes Budget

Vielleicht spielen Sie auch mit dem Gedanken, einmal auf einen Animationsfilm zu setzen. Da kommen zweifelsfrei Fragen auf: Lohnt sich das für mein Unternehmen? Ist das nicht viel zu aufwändig? Und was kostet das überhaupt? Sicher, ein gut gemachter Animationsfilm ist nicht billig, bietet aber viele Vorteile (siehe dazu die 5 Gründe für einen Animationsfilm). Dazu kommt, dass nicht jeder Brand und jedes Kommunikationsbedürfnis die gleichen Anforderungen stellt: Bei einer kleineren Firma erwartet niemand eine besonders aufwändige Produktion. Ein professioneller Erklärfilm für ein KMU ist entsprechend schon für ein paar tausend Franken zu haben. Bei einem Imagefilm von Coca Cola hingegen, sollte die Qualität der Animation auf dem neusten Stand der Technik sein und die hat dann auch ihren Preis. Stellen Sie sich also die Frage: Was möchte ich kommunizieren? Wer ist mein Publikum? Wo setze ich den Film ein? Und was ist mir das Wert? Je nachdem werden Sie sehen, dass das von Ihnen Gewünschte bereits für ein kleineres oder mittleres Budget zu haben ist. Die Beratung einer erfahrenen Agentur kann hier bestimmt unterstützen.

5 Argumente für einen
Animationsfilm

  1. Alles ist möglich.

    Sie möchten einen Kaktus, der einen Luftballon umarmt? Ein Piratenschiff, das sich im Magen eines Dinosauriers befindet? Oder lieber eine Insel auf dem Rücken eines Riesenpiranhas? Mit digitaler Animation alles überhaupt kein Problem. Der Fantasie sind damit keine Grenzen gesetzt. Das freut auch die Kreativen und gibt Raum für verrückte und überraschende Ideen.

  2. Tempo, Tempo.

    Zeit ist Geld, gerade wenn in TV-Minuten gerechnet wird. Da müssen Geschichten an der Geschwindigkeitslimite erzählt werden. In keiner anderen Produktionsmethode ist es möglich, derart viel Handlung in so wenig Zeit zu packen. Nur um am Schluss nochmals am Geschwindigkeitsregler zu drehen. Gerade im Socia Media Bereich zählt jede Sekunde, wenn man die Aufmerksamkeit der User nicht verlieren möchte.

  3. Weniger Risiko.

    Im digitalen Studio schlägt das Wetter nie um, die Darsteller werden weder krank noch müde und auch die Tiere am Set machen nur genau das, was der Animator ihnen befielt. Dazu kommt, dass beim Animationsfilm Schritt für Schritt gearbeitet wird. Der Kunde hat also regelmässig Einblick in die Produktion und erlebt am Schluss keine grossen Überraschungen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Kosten.

  4. Don’t like it? Change it.

    Das Gesicht der Protagonisten passt dem Kunden nicht? Das Auto sieht zwar gut aus, hat aber die falsche Farbe? Im Realfilm hätten sie mit solchen Dingen echt ein Problem. Nicht so im Animationsfilm. Was nicht passt, kann — fast bis zum Schluss — passend gemacht werden.

  5. Inhalte einfach kommunizieren.

    Komplexe und abstrakte Prozesse lassen sich animiert meist einfacher und attraktiver kommunizieren. Dadurch bleiben sie den Konsumenten auch besser in Erinnerung.

Klassiker der Schweizer Animationsfilm-Werbung:

Ein Tag mit Knorrli (Knorr)
Maga & Floris (Steinfels)
Sugus Löwe (Sugus)

«Gutes Storytelling lässt sich
nicht digitalisieren.»

Mike Huber von Boutiq Filmproduktion
Mike Huber von Boutiq Filmproduktion

Werden Animationsfilme eigentlich immer günstiger? Und wo geht die digitale Reise hin? Wir haben bei Regisseur und Animations-Spezialist Mike Huber von boutiq Filmproduktion nachgefragt.

Moore’s Law besagt, dass Computer alle zwei Jahre doppelt so leistungsfähig werden. Macht das die Produktion eines Animationsfilms auch entsprechend günstiger?

Mike Huber: In der Tat finden im Animationsfilm zur Zeit spannende Innovationen statt, die einer Revolution gleichkommen. Grafikkarten beginnen, fotorealistische Animationen in Realtime zu rendern, Disney arbeitet an 3D-Maltechnologien und Virtual Reality wird massentauglich. Und bereits jetzt gibt es Versuche, mittels Live Rendering die Postproduction direkt auf dem Set zu machen. Natürlich macht das die Arbeitsweise einfacher, der wahre Flaschenhals liegt aber in der Kreation. Nach wie vor braucht das Schreiben einer guten Story, das Entwickeln von Charakteren oder das detailgenaue Animieren viel Zeit. Und die wird man zehn Jahren genauso bezahlen müssen, wie heute.

Nach wie vor braucht das Schreiben einer guten Story, das Entwickeln von Charakteren oder das detailgenaue Animieren viel Zeit.

Mike Huber von boutiq

Welche Vorteile bietet die moderne Technik dem Animationsfilm?

Ich sehe die Vorteile des technischen Fortschritts darin, dass die Produktion demokratisiert wird. Die Tools, die es für eine professionelle Animation braucht, sind erschwinglich geworden. Heute kann ein Filmstudent, der genügend Zeit hat, in seinem Zimmer einen Animationsfilm produzieren, der aussieht, als käme er von einem grossen Studio.

Fördert die immer besser werdende Technik denn die Kreativität der Künstler?

Ja und nein. Natürlich gibt der technische Fortschritt den Filmschaffenden immer neue Werkzeuge und Möglichkeiten in die Hand um optisch überragendes zu schaffen. Was dabei aber auffällt: Hinter der ganzen hervorragenden Technik geht oftmals die Story vergessen und den Werken fehlt der rote Faden. Technik sollte Mittel zum Zweck bleiben.

Technik sollte immer nur Mittel zum Zweck bleiben.

Mike Huber von boutiq

Hast du dafür ein Beispiel?

Ein interessantes Gegenbeispiel ist der Film «The Tower» von Keith Maitland, ein preisgekröntes Werk. Der Film nutzt die Rotoskopie, eine über 100 Jahre alte Animationstechnik um einen brandaktuellen und packenden Dokumentarfilm zu erzählen.

Der Videoclip zu «Take on me» von a-ha nutzt Rotoskopie als Stilmittel.

Meine Meinung:

Sebastian Refardt
Senior Texter

Kommt der digitale Darsteller?

Nicht erst seit James Camerons Avatar wird in den Medien regelmässig die Frage nach dem komplett virtuellen Darsteller gestellt. Die Vorteile der Digitalisierung der Schauspieler liegen auf der Hand: Der digitale Darsteller altert nicht, kann parallel in verschiedenen Projekten eingesetzt werden und hat keine Allüren. Werden in Zukunft also bald Clooney-Klone aus Bits und Bytes die Leinwand bevölkern, während das Original eine ruhige Kugel schiebt? Ich denke nicht.

Der Aufwand, einen Schauspieler originalgetreu abzubilden und zu animieren, ist nach wie vor gewaltig. Um die subtile Mimik und die Körpersprache eines professionellen Schauspielers nachzubilden, braucht ein Animator sehr, sehr viel Zeit. Und anders als bei Tieren und Fantasiekreaturen hat der Zuschauer beim Menschen ein besonders ausgeprägtes Gespür dafür, wenn etwas «unnatürlich» wirkt. Bis jetzt habe ich noch keinen virtuellen Menschen gesehen, der zu 100% überzeugt hätte. Und sollte es doch einmal soweit kommen, dass die digitale Konkurrenz genauso gut aussieht und spielt wie echte Darsteller, dann wird deren Einsatz genauso zu einer Preisfrage. Wer von beiden kostet mehr? Gut möglich, dass dann keine Millionengehälter für die Hollywoodstars mehr drin liegen. Es bleibt aber dabei: Es braucht einen Künstler, um eine Figur überzeugend darzustellen, sei es als Schauspieler vor der Kamera oder als Digital Artist vor dem Bildschirm. Auch in näherer Zukunft wird der digitale Schauspieler vor allem dann zum Zug kommen, wenn das Original nicht kann oder will: bei Stunts, Nacktszenen und wenn der Schauspieler jünger oder älter aussehen muss, als er eigentlich ist.

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